Zwischen Revier und Redaktion.

Text: Dipl. Ing. Kathrin Horvath, Ökologin, freiberufliche Wissenschaftsjournalistin und Redakteurin beim BOKU Alumni-Magazin

Wie können Jagdwirt*innen-Alumni dazu beitragen, jagdliche Themen differenziert, faktenbasiert und gesellschaftlich anschlussfähig zu machen? Ein Blick auf das BOKU Alumni-Magazin – und eine Einladung zur Mitgestaltung.

Mehr als 6.000 Mitglieder zählt der Alumnidachverband der BOKU University. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Das BOKU Alumni-Magazin ist unter ihnen das bekannteste und meistgenutzte Angebot. Ein starkes Fundament – aber auch ein klarer Auftrag. Denn ein Medium mit dieser Reichweite sollte mehr leisten als Rückblicke auf Veranstaltungen oder Hinweise auf Exkursionen. Es sollte zum Denken anregen, Diskussionen anstoßen, aktuelle Fragen aufgreifen, Verbindungen schaffen.

Als Redaktionsleitung ist es mir ein Anliegen, das Magazin über ein reines Mitteilungsblatt hinaus weiterzuentwickeln hin zu einer Plattform, die Brücken schlägt: zwischen Praxis und Forschung, zwischen Fachrichtungen und Generationen.

Verständigung und Perspektiven

Gerade bei jagdlichen Themen zeigt sich, wie unterschiedlich Begriffe und Haltungen wirken – je nachdem, aus welchem Erfahrungsraum man kommt. Wer länger im Naturschutz, in der Land- und Forstwirtschaft oder in der Regionalentwicklung arbeitet, weiß: Es sind nicht die Ziele, die sich widersprechen. Es sind die Narrative.

Man spricht oft aneinander vorbei – nicht aus Absicht, sondern weil Sprache fehlt, die beide Seiten verbindet.

Um diese Lücke zu verringern, habe ich vor zwei Jahren den Jagdschein gemacht. Nicht, um von der Ökologin in eine neue Rolle zu wechseln, sondern um besser zuhören und gezielter vermitteln zu können. Seitdem habe ich viele Jägerinnen und Jäger kennengelernt, die nicht nur handeln, sondern auch hinterfragen. Die sich für Biodiversität einsetzen, Verantwortung übernehmen – für das, was sie tun, aber auch für das Bild, das Jagd in der Öffentlichkeit abgibt. Genau solche Perspektiven braucht auch die Hochschulkommunikation: differenziert, nah an der Praxis, aber auch offen für Reibung.

Fachgruppe sichtbar machen

Im BOKU Alumni-Magazin steht jeder Fachgruppe Raum für eigene Inhalte zur Verfügung. Die Themen legt der jeweilige Verband fest, die Redaktion begleitet redaktionell. Bislang nutzen viele diesen Rahmen vor allem für Hinweise und Rückblicke. Es gibt noch viel Potenzial für Beiträge, die stärker in die Tiefe gehen.

Seit der Übernahme der redaktionellen Verantwortung im Herbst 2023 versuche ich, das zu ändern. In der letzten Ausgabe erschien erstmals ein Beitrag im Rahmen eines Interviews mit einem Vorstandsmitglied des KTWW-Verbands – initiiert von der Redaktion. Es zeigte, wie viel Potenzial in Formaten steckt, die nicht nur berichten, sondern Fragen aufwerfen. Genau dort entsteht Relevanz: Wenn Themen nicht nur erzählt, sondern eingeordnet werden. Wenn Fachgruppen als Impulsgeber auftreten, nicht als Berichterstatter.

Als Redakteurin ist es mir deshalb wichtig, Formate zu schaffen, die Dialoge ermöglichen – nicht nur Abbildungen.

Das Magazin soll mehr sein als ein Ort zum Berichten. Es soll Diskussionen anstoßen, Positionen sichtbar machen und Verbindungen schaffen. Beiträge, die einordnen und Fragen stellen, sind dabei besonders wertvoll. Fachgruppen haben hier die Chance, Impulse zu setzen – auch, wenn es um jagdliche Themen geht.

Jagd als Thema zwischen Praxis, Ethik und Wissenschaft

Jagd ist längst kein Randthema mehr. Sie ist eng verbunden mit Fragen der Landnutzung, des Wildtiermanagements, der Biodiversität und des Klimawandels. Gerade an der BOKU, wo disziplinübergreifend gedacht wird, ist das eine Chance: Jagd als Zugang zu Debatten, die weit über das Revier hinausreichen. Wie lässt sich ökologische Verantwortung mit ökonomischen Interessen verbinden? Wie sieht zukunftsfähiges Wildtiermanagement aus? Welche Rolle spielt Kommunikation im Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten? Solche Fragen gehören auf die Agenda – auch im Magazin.

Das BOKU Alumni-Magazin kann dabei unterstützen, Perspektiven sichtbar zu machen, die sonst wenig Raum bekommen. Es kann Jagd nicht nur als Praxis zeigen, sondern als Denkraum. Als Schnittstelle, an der Konflikte verhandelt und vielleicht auch entschärft werden können.

Wer als Jagdwirt*in Themen einbringen, Erfahrungen teilen oder mitdiskutieren möchte, ist herzlich eingeladen, sich aktiv zu beteiligen.

Dipl.-Ing. Kathrin Horvath – Verantwortliche Redakteurin des BOKU Alumni-Magazins

Kathrin Horvath ist BOKU-Absolventin mit naturwissenschaftlichem Hintergrund und hat sich auf ökologische sowie gesellschaftsrelevante Themen spezialisiert. Sie ist ausgebildete Jägerin, besitzt eine Fischerkarte und hat vor Kurzem das Fliegenfischen für sich entdeckt. Mehr als zehn Jahre war sie in einem Consultingbüro für Umwelt- und Naturschutzprojekte tätig, unter anderem in den Bereichen Natura 2000, FFH-Berichtspflicht und Öffentlichkeitsarbeit. Heute arbeitet sie außerdem als freie Journalistin, unter anderem für Ö1, und erzählt Mensch-Natur-Beziehungen in fundierten und zugleich berührenden Geschichten.

Seit Herbst 2023 leitet sie die Redaktion des BOKU Alumni-Magazins. Ihr Ziel: Themen sichtbar machen, die verbinden – auch dort, wo die Sprache manchmal nicht dieselbe ist.

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