Zwischen Erfahrung und Erkenntnis: Mein Weg zur Akademischen Jagdwirtin .
Text: angehende Akad. Jagdwirtin Luisa Polch
Kindheit und Motivation
Als Tochter eines passionierten Jägers bin ich von Klein an mit der Jagd verbunden. Ich durfte nicht nur von den Erfahrungen meines Vaters lernen, sondern habe auch die Möglichkeit bekommen, im Laufe der Jahre meine eigenen zu sammeln. Ebenso bin ich überzeugt, dass sich die Jagd ständig weiterentwickelt. Neue Erkenntnisse und neue gesellschaftliche Erwartungen machen es notwendig, immer wieder über den Tellerrand hinauszuschauen.
Warum der Jagdwirt-Lehrgang?
Genau deshalb habe ich mich für den Universitätslehrgang zur Jagdwirtin entschieden. Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit aktuellen Fragestellungen aus der Praxis und eröffnet mir völlig neue Perspektiven.
Die bisherigen Lehrveranstaltungen haben mir bereits bestätigt: man lernt nie aus!
Zwischen Tradition und Moderne
Wir haben uns mit traditionellen Themen wie Brauchtum, Jagdmusik und Falknerei beschäftigt – Elemente, die zeigen, dass Jagd weit mehr ist als nur das Erlegen von Wild. Gleichzeitig stehen moderne Inhalte im Zentrum: etwa die Jagdpädagogik, die dabei hilft, die Bedeutung der Jagd verständlich zu vermitteln, oder die Jagdethik, die uns kritisch hinterfragen lässt, wie wir als Jägerinnen und Jäger handeln.
Lernen durch Exkursionen
Besonders spannend waren die Exkursionen – zum Beispiel nach Ferlach zu Hausmann & Co und zur Fachschule für Büchsenmacher, wo wir tiefere Einblicke in die Welt der Jagdwaffen bekamen.
Auch der Besuch im Nationalpark Hohe Tauern hat mir gezeigt, wie stark Klimawandel, Ökologie und Wildbewirtschaftung zusammenhängen. Die Bewohner des Hochgebirges haben schwer mit der Klimaerwärmung zu kämpfen und müssen sich daran anpassen, weswegen sie Tagesabläufe und Gewohnheiten umstellen.
Austausch im Jahrgang
Bei solchen Exkursionen wächst man als Jahrgang zusammen: Die einen kennen sich mit den Wildtieren der Alpen aus und können den anderen noch etwas erklären, während die Kollegen aus dem Norden bei der Lehreinheit im Niederwildrevier mehr Vorwissen haben. Der permanente Austausch ist hier sehr wertvoll.
Breite Themenvielfalt
Weitere Schwerpunkte wie Tierschutz, Waffenrecht und Wildkrankheiten zeigen, wie komplex alle Thematiken rund um die Jagd sind. Wir haben uns intensiv mit der Genetik von Wildtieren beschäftigt, ebenso mit der Biologie und Ökologie von Niederwild, Haarraubwild sowie Gams- und Steinwild. Auch die ökologischen und ökonomischen Wechselwirkungen der Landwirtschaft wurden umfassend beleuchtet.
Theorie und Praxis verbinden
Die Exkursion in die Lehr- und Lernanstalt (LLA) in Rotholz zum Thema Wildbrethygiene hat mir wieder mal vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Theorie und Praxis zu verbinden. Natürlich gehört Aufbrechen, aus der Decke schlagen, Zerwirken und das Fleisch küchenfertig machen zu meinem jagdlichen Alltag, dennoch ist es hilfreich, die Handgriffe eines Profis zu sehen und die eigenen Methoden zu überarbeiten.

Foto: Luisa Polch
Neue Erfahrungen im Niederwildrevier
Wiederum war die Exkursion zur Niederwildbewirtschaftung in Poysdorf eine ganz neue Erfahrung für mich, da ich hierzu sonst wenige Bezugspunkte habe. Wie Fasane, Rebhühner und Hasen gehegt werden, kommt einem als Jäger im Gebirge sonst einfach nicht unter.
Aktuelle Herausforderungen
Die Vorlesung zu den großen Beutegreifern Wolf, Bär und Luchs hat natürlich viele aktuelle Fragen angestoßen. Risserkennungsmerkmale können vor allem in unserer Praxis gefragt sein, weshalb es wertvoll ist, dass wir die Vorträge immer in Papierform mit nach Hause nehmen können. So kann man zum einen sein Wissen vertiefen und zum anderen spezielle Antworten nochmals nachschlagen.
Halbzeit: Rückblick und Ausblick
Nun ist – SCHON – oder doch auch – ERST – Halbzeit! Einerseits verging die Zeit wie im Fluge, doch gleichzeitig haben wir schon so viel gelernt, dass ich gar nicht glauben kann, dass noch doppelt so viel auf uns wartet.
Für mich war und ist Jagd lebenslanges Lernen.
Durch den Lehrgang wird mir immer wieder bestätigt, wie vielschichtig unser Wirken in der Natur ist – und wie wichtig es ist, gut überlegte Entscheidungen zu treffen. Die Kombination aus den Erfahrungen, die ich bisher in meinem Leben sammeln durfte, und dem aktuellen Wissen, das ich durch den Lehrgang erlange, ermöglicht es mir bestenfalls, die goldene Mitte zwischen Tradition und Zukunft zu finden.
Das perfekte Mittelmaß zu treffen ist sicher nicht immer möglich, aber mit Hilfe dieses Lehrgangs komme ich der optimalen Lösung viele Schritte näher.
Gemeinsam mehr bewirken
Selbst wenn mir keine Lösung für ein Problem einfällt, habe ich durch die zahlreichen Lehreinheiten Kontakt zu so vielen Spezialisten auf verschiedensten Themengebieten, dass ich immer weiß, wo ich nachfragen kann.
Allein dieses Netzwerk ist enorm hilfreich. Gemeinsam kann man mehr bewirken! Genau darin sehe ich den Schlüssel für eine nachhaltige, verantwortungsvolle und zukunftsfähige Jagd.
Luisa Polch – angehende Akad. Jagdwirtin XVII
Luisa Polch kommt gebürtig aus Rheinland–Pfalz und ist dort in der Kreisgruppe Ahrweiler in ehrenamtlicher Funktion tätig. Im Zuge der Jagdgesetznovelle von 2023 war Sie an einer Videokampagne gegen die Ideologie der Grünen Politik beteiligt. Seit 2024 unterstützt Sie den Widerstand von Tirol aus, wo Sie seit Ihrer Kindheit – nicht nur jagdlich – verwurzelt ist.
Mit der Zeit wuchs eine besondere Faszination für Rotwild in ihr, weshalb Sie Ihre Abschlussarbeit der „Genetischen Diversität des Rotwildes im Tannheimer Tal im Vergleich zu anderen Populationen“ widmet.






