Zukunft gestalten: Was eine jagdliche Ausbildung heute leisten muss.

Text: Akad. Jagdwirtin Cilly Ritscher

Nachhaltigkeit als Leitbild der Ausbildung

„Nachhaltige Jagd“, dieses Konzept hat uns durch unseren Lehrgang begleitet. Man erinnert sich an die drei Komponenten: ökologisch, ökonomisch und sozio-kulturell. Diese Aspekte gilt es auch in einer zukunftsfähigen Jagdausbildung zu berücksichtigen.

Wissenschaftliche Fundierung und lebenslanges Lernen

Die Aus- und auch Weiterbildung der Jäger und Jägerinnen muss sich unbedingt an den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Wildtierbiologie und der diversen mit der jagdlichen Tätigkeit verbundenen Bereiche orientieren. Klimawandel, Biodiversität, Neobiota, Entwicklungen in Forst und Landwirtschaft, Wildkrankheiten, KI aber auch technische Neuerungen wie Schalldämpfer, Drohnen, Wärmebild und Nachtsichtzielgerät können hier als Beispiele unter vielen genannt werden.

Für die Jagdausbilder bedeutet das, sich immer mit den neuesten Entwicklungen auseinanderzusetzen, was sich durchaus mit dem heute gefragten „lebenslangen Lernen“ verbinden lässt.

Ökonomisches Verständnis schärfen

Ökonomische Faktoren spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle, auf die zukünftige Jäger und Jägerinnen und vor allem auch Aufsichtsorgane vorbereitet werden müssen. Massnahmen zur Verhinderung von Wildschäden in der Landwirtschaft und im Forst und die Vergütung der trotzdem entstandenen Schäden, sowie Einflüsse durch Grossraubtiere oder Infrastrukturschäden (zB durch den Biber), all das muss fundiert erklärt und durchdacht werden, denn wir dürfen uns auf keinen Fall zu Erfüllungsgehilfen der Forst- und Landwirtschaft degradieren lassen.

Jagende sind keine Schädlingsbekämpfer! Darum muss gelehrt werden, Situationen richtig einzuschätzen und sich für die Bedürfnisse der Wildtiere einzusetzen.

Neue Zielgruppen, neue Realitäten

Hier darf nicht vergessen werden, dass die Gesellschaft einige Änderungen durchmacht. So gibt es zB mehr weibliche Jagdausübende und die Zeit, die für die jagdliche Tätigkeit aufgewendet werden kann, ist begrenzt durch Familie, Beruf und andere Freizeitbeschäftigungen. Auch kommen durch die neuen technischen Möglichkeiten erhebliche finanzielle Aufwendungen auf die Jungjagenden zu.

Zwischen Romantisierung und Realität

Die Unsicherheit über die allgemeine Weltlage, seien es Klima, Politik, Umwelt oder gesellschaftliche Veränderungen führt zum Bedürfnis, Sicherheit und klare Strukturen im nahen Umfeld zu schaffen. So kommt es zu einem verklärenden Bild der „Natur“ und der darin lebenden Tiere, dem auch so manche/r Jagdanfänger/in unterliegt.

Hier gilt es zu erinnern, dass eine erfolgreiche Jagd mit dem Tod eines Lebewesens endet und „Kuscheln mit Rehen“ nicht Teil der Ausbildung ist. Ganz im Gegensatz zum Tierschutz, der wissenschaftlich unterlegt immer einzubeziehen ist.

Oft ist es die unterschiedliche Interpretation des Tierschutzes, die zu Konflikten zwischen Jagenden und Nichtjagenden führt. So ist auch der Umgang mit der Öffentlichkeit ein wichtiger Teil einer zeitgemässen, zukunftsfähigen Jagdausbildung. Hier gilt es immer wieder einen Perspektivenwechsel vorzunehmen, die Worte sorgfältig zu wählen und das Gegenüber ernst zu nehmen ohne sich selbst zu verleugnen.

Verantwortung weitergeben

Zusammenfassend liegt es an uns Jagenden, unser Handwerk zukunftsfähig auszuüben und dies auch zu kommunizieren. Dabei ehrlich zu bleiben, unseren jagdlichen Nachwuchs einzubeziehen, sowie ihm die Chance zu geben, einen eigenen, zeitgemässen Weg zu gehen, ist unsere wichtigste Aufgabe.

Cilly Ritscher- Akad. Jagdwirtin V

Cilly Ritscher ist Akademische Jagdwirtin aus der Schweiz. Sie ist seit zwanzig Jahren Jägerin und Jagdaufseherin in einem Revier am Stadtrand von Zürich. Sie leitet die Jagdschule Binzhölzli, die 2025 ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Cilly ist als Prüfungsexpertin Mitglied in der Kommission für die Jagd- und Jagdaufsichtsprüfungen im Kanton Zürich und Teil der Gruppe Weiterbildung im Verein Zürcher Jagdaufsicht. Sie hat den Universitätslehrgang JAGDWIRT/IN 2014 abgeschlossen und ihre Abschlussarbeit zu „Überlegungen zur Jagd im urbanen Raum“ geschrieben.