Tierschutz in Form von Weidgerechtigkeit und Jagdethik.

Text: Akad. Jagdwirtin Monika Baudrexl

Der gesellschaftliche Stellenwert des Tierschutzes

„Tierschutz in Form von Waidgerechtigkeit und Jagdethik“ – dieses Thema habe ich für meine Abschlussarbeit zur Akademischen Jagdwirtin ausgewählt. Insbesondere Muttertierschutz war mir von jeher eine Herzensangelegenheit. Deshalb habe ich auch einen Fall des Abschusses eines führenden Alttieres bis zur letzten Konsequenz verfolgt und musste feststellen, wie schwierig es ist, sich für unsere Wildtiere einzusetzen, um zu verhindern, dass Leid, das ihnen von leichtfertigen oder gewissenlosen Jägern zugefügt wird, ungesühnt bleibt.

In der heutigen Zeit, in der Tierschutz einen sehr hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft einnimmt, wird das Wirken von uns Jägern mit immer mehr Skepsis und Ablehnung betrachtet. Eine aktuelle Studie, „Die Zukunft der Jagd in einer modernen Gesellschaft“ von Prof. Werner Beutelmeyer, besagt, dass die grundsätzliche Akzeptanz der Jagd bis 2030 kippen wird.

Verantwortung und Jagdethisches Bewusstsein

Wenn man bedenkt, was es bedeutet, Jäger zu sein – dass man als Jäger dazu berechtigt ist, Waffen zu führen und somit über Leben und Tod eines Mitgeschöpfes zu entscheiden –, dann finde ich es äußerst wichtig, bereits in der Jägerausbildung einen Grundstock für ein jagdethisches Bewusstsein im Umgang mit unseren Wildtieren zu legen. Dieses Bewusstsein sollte die Grundlage jagdlichen Handelns und persönlichkeitsprägendes Merkmal des Jägers sein – in Verantwortung gegenüber den Wildtieren, deren Lebensraum, den Mitjägern und den nicht jagenden Mitmenschen.

Veränderungen bei den Jagdscheinanwärtern

Angesichts dieser Entwicklung ist die Ausbildung zum Jäger etwas sehr Grundlegendes. Das Klientel der Jagdscheinanwärter hat sich in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren deutlich verändert: Es kommen immer weniger Jungjäger aus einem jagdlichen

Umfeld (Jägerfamilie), und Jagd wird nicht mehr als Lebenseinstellung, sondern nur noch als Hobby neben vielen anderen Hobbys gesehen.

Das Ansehen der Jagd in der Zukunft wird jedoch davon abhängen, wie viele vorbildliche und ehrbare Jägerinnen und Jäger mit gutem Beispiel vorangehen.

Jagdethik in der Ausbildung

Ich bin sehr dankbar dafür, dass die Jagdwirt-Ausbildung an der BOKU das Modul „Jagdethik“ enthält, denn dadurch bin ich auf die Idee gekommen, dies auch bei der Jägerausbildung der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen im Bayerischen Jagdverband umzusetzen. Seit nunmehr neun Jahren ist „Jagdethik“ als Pflichtausbildungsfach fester Bestandteil der Jägerausbildung, und ich hoffe, dadurch in Zeiten der fortschreitenden Technisierung der Jagd ein Zeichen setzen zu können, was Jagd bedeutet.

Es muss hervorgehoben werden, dass es sich nicht einfach nur um das Töten handelt.

Das jagdliche Handeln muss geprägt sein vom Grundsatz des Respekts und der Achtung vor den uns anvertrauten Wildtieren – das heißt Ehrfurcht vor dem Leben, aber auch Ehrfurcht vor dem Tod dieser Mitgeschöpfe.

Ausblick: Jagdethik-Semiar in Brixen

Auch das anstehende Jagdethik-Seminar in Brixen im August 2025 ist für mich eine Bestätigung dafür, dass Jagdethik ein sehr aktuelles und wichtiges Thema ist. Ich möchte sogar sagen, dieses Thema ist unerlässlich, um das Ansehen der Jagd in der Öffentlichkeit wieder auf ein annehmbares Niveau zu bringen. Das Wohlergehen des Wildes muss unsere ethische Herausforderung sein.

Wir dürfen Tiere nicht vermenschlichen, aber unser Umgang mit ihnen muss menschlich sowie ethisch vertretbar sein!

Monika Baudrexl, BA – Akad. Jagdwirtin VII

Monika Baudrexl, BA, engagiert sich für eine verantwortungsvolle und ethisch fundierte Jagdpraxis. Sie ist Schriftführerin der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen im Bayerischen Landesjagdverband, Mitglied im BJV-Ausschuss „Jagdkultur“ sowie Schriftführerin und Gründungsmitglied des Vereins Wildes Bayern e. V., der sich erfolgreich für den Schutz artenreicher Wildtierbestände einsetzt. Darüber hinaus ist sie Ausbilderin im Fach „Jagdethik“ der BJV-Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen und leidenschaftliche Wildtierfotografin. 2015 schloss sie den Universitätslehrgang JAGDWIRT/IN an der BOKU Wien ab, mit einer Arbeit mit dem Titel: „Tierschutz in Form von Waidgerechtigkeit als Chance für das Ansehen der Jagd? Verstoß gegen das Muttertierschutzgesetz, als wesentliches Prinzip der Jagdethik,- ein Kavaliersdelikt?“