Windkraftanlagen und Vogelschutz
Lebensräume erfassen. Wild verstehen. Vorausschauend gestalten.
Titel der Studie
Untersuchung zur Betroffenheit kollisionsgefährdeter Brutvogelarten durch Windkraftanlagen in deutschen Vogelschutzgebieten.
Quelle
Julia Voelsen & Matthias Schreiber, 2025, im Auftrag der Deutschen Wildtier Stiftung
Kurzinfo
Dies Studie untersucht, wie stark Windkraftanlagen (WKA) mit europäischen Vogelschutzgebieten (SPA) überlappen, in denen kollisionsgefährdete Brutvogelarten (KBA) als Erhaltungsziele gelistet sind. Ergebnis: Fast 40% aller deutschen Windkraftanlagen (11.134 Anlagen) liegen in relevanten Prüfbereichen zu Schutzgebieten. Über die Hälfte der europäischen Vogelschutzgebiete mit kollisionsgefährdeten Arten ist betroffen. Besonders häufig betroffen sind Arten wie Rotmilan, Seeadler, Schreiadler und Uhu.
Zitat aus der Studie:
„Vogelschutzgebiete, die kollisionsgefährdete Brutvogelarten als Erhaltungszielart ausgewiesen haben, sind in Deutschland erheblich von Windkraftanlagen betroffen.“ (Voelsen & Schreiber, 2025))
Zentrale Erkenntnisse
11.134 Windkraftanlagen liegen in gesetzlich relevanten Prüfbereichen zu SPAs.
403 von 688 Vogelschutzgebieten mit kollisionsgefährdeten Arten sind betroffen.
1.701 WKA befinden sich im Nahbereich, 492 sogar innerhalb von Schutzgebieten.
Alle 15 kollisionsgefährdeten Brutvogelarten sind betroffen- besonders Schreiadler (<90% seiner SPAs), Rotmilan (403 SPAs) und Uhu 190 SPAs). Gesetzliche Prüfradien im BNatSchG sind kleiner als fachliche Empfehlungen (z.B. Schreiadler: 1.500m statt 6.000m laut Helgoländer Papier). Ein erheblicher Reil der Anlagen hätte nach EU- Recht nicht genehmigt werden dürfen.
Implikationen für die Praxis
Ausbauziele für Windenergie dürfen nicht pauschal Vorrang vor Artenschutz haben.
Nachträgliche Schutzmaßnahmen (z.B. Abschaltauflagen in Brut- und Zugzeiten) sind notwendig, um Verluste zu minimieren.
Mittelfristig sollten WKA im Nahbereich von SPAs mit kollisionsgefährdeten Arten zurückgebaut werden.
Dialogprozesse zwischen Energiepolitik, Naturschutz und Genehmigungsbehörden sind zentral, um praktikable Lösungen zu finden.
Impulse
Wie gelingt die Balance zwischen Energiewende und Schutz seltener Vogelarten?
Sollten die fachlich empfohlenen Prüfradien (Helgoländer Papier) gesetzlich verbindlich werden?
Welche Rolle können regionale Naturschutzakteure bei flexiblen Abschaltung- und Schutzmaßnahmen übernehmen?



Foto: Niki Fegert
Foto: Akad. Jagdwirt Niki Fegert