Sinnvolle Verwertung der Beute – Mehr als nur Wildbret .
Text: Akad. Jagdwirt Robert Czitsch
Von der Weidgerechtigkeit bis zur Wildschweinsalbe – Ein Plädoyer für ganzheitliche Beutenutzung
Ein weidgerechter Jäger oder eine weidgerechte Jägerin zeigt Achtung vor dem Wild – nicht nur im Moment des Schusses, sondern auch im achtsamen Umgang mit dem erlegten Tier.
Die sinnvolle und vollständige Verwertung der Beute ist Ausdruck dieser Haltung.
Während in früheren Zeiten jede Faser des Wildes genutzt wurde – als Nahrung, Kleidung, Werkzeug oder Heilmittel – ist dieses Wissen heute vielfach in Vergessenheit geraten. Doch gerade jetzt, in einer Zeit wachsender Wertschätzung für nachhaltige und regionale Produkte, lohnt sich der Blick auf alte Techniken und neue Möglichkeiten.
Vom Schuss bis zum Glas – Wildbret in Bestform
Wildbret ist weit mehr als ein Festtagsbraten. Es lässt sich vielfältig verarbeiten:
- Edelteile vakuumiert und eingefroren
- Kleinteile zu Faschiertem für Burger oder Bolognese
- Innereien wie Herz, Leber, Nieren, Lunge oder sogar Hoden und Zunge zu Ragouts oder Grillgerichten
- Knochen zu Suppen, Fonds oder Sulzen
Gerade im Sommer sind Wildschweinrippen, im Druckkochtopf butterweich gegart und mit BBQ-Sauce gegrillt, ein echtes Highlight. Auch das in Scheiben geschnittene Herz eignet sich bestens zum Kurzbraten am Rost.

Lagerung von eingerexten Speisen (Foto: Robert Czitsch)
Einkochen statt einfrieren – haltbar, praktisch, köstlich
Ich habe mich ganz bewusst für den Druckkochtopf entschieden – er spart Strom, Zeit und Platz im Gefrierschrank. Eingerexte Speisen wie Gulasch, Chili con Carne oder Wildbolognese sind lange haltbar und jederzeit griffbereit.
Auch Frühstücksfleisch und Leberpasteten lassen sich damit unkompliziert herstellen und einkochen – perfekt für den Vorratsschrank.
Vom Selchen bis zur Wurst
Im Winter selche ich Schinken von Reh, Dam- oder Schwarzwild. Für Wurstwaren wie Käsekrainer oder Landjäger arbeite ich mit einem Fleischer meines Vertrauens zusammen: Ich liefere das Wildbret, er produziert nach meinen Vorstellungen – professionell, schnell und zu einem fairen Preis. So entstehen Mengen zwischen 50 und 100 Kilogramm, die ich selbst genieße oder direkt vermarkte.
Trophäen und mehr – das ganze Tier nutzen

Schemel mit Rehdecke bespannt (Foto: Robert Czitsch)
Neben Geweih, Grandln, Fängen oder Borsten lassen sich auch Decken, Schwarten und Bälge sinnvoll verwerten:
- Rotwilddecken können vom Gerber zur „Hirschledernen“ verarbeitet werden
- Rohdecken werden gereinigt, aufgespannt und getrocknet – ideal als Vorleger
- Einfach selbst gemacht: Decken als Sitzbezug für Hocker, Stühle oder Schemel. Die noch nasse Decke wird über den Hocker gespannt, auf der Unterseite mit einem Tacker angeheftet oder genagelt und zugeschnitten. Nach ca. 5 Tagen ist die Decke durchgetrocknet und der Hocker benutzbar.
Die Verwertung der Haut erfordert zwar etwas Geduld, bringt aber ein individuelles, handwerkliches Ergebnis mit persönlichem Wert.
Wertvolles Wildfett – von der Naturheilkunde inspiriert
Auch das Fett des Wildes ist viel zu schade zum Entsorgen:
- Hirschtalgcreme als Hautschutz
- Dachssalbe und Murmeltierfett als bewährte Hausmittel gegen Gelenkbeschwerden
- Gamsfett als natürlicher Kälteschutz
- Wildschweinschmalz als Salbenbasis
Mit einfachen Mitteln können daraus natürliche Pflegeprodukte hergestellt werden – ein lohnendes Projekt für Herbst und Winter.
Wissen schützt – Fortbildung nicht vergessen
Wer Wild verwerten will, sollte sich regelmäßig weiterbilden:
- Wildbrethygiene
- Kundige Person
- Trichinenprobenentnahme bei Schwarzwild und Dachs
Nur mit dem entsprechenden Wissen und den richtigen Handgriffen können hochwertige und sichere Lebensmittel entstehen.
Fazit: Mit Verantwortung und Respekt verwerten
Die Beute vollständig zu verwerten bedeutet Wertschätzung gegenüber dem Wild und der Natur.
Gleichzeitig entstehen hochwertige, regionale Produkte – von Wildbret über Heilsalben bis zu Trophäen und Handwerksstücken.
In Zeiten niedriger Wildbretpreise lohnt es sich mehr denn je, selbst zu veredeln, zu konservieren und zu vermarkten.
So wird die Jagd nicht nur zur Passion, sondern auch zur bewussten Lebensweise.
Weitere Anregungen und detaillierte Infos zur Beuteverwertung findet ihr in meiner Jagdwirt Abschlussarbeit „Beuteverwertung: Wildbret, Trophäe & Co“ (Link unten).
Robert Czitsch- Akad. Jagdwirt X
Robert Czitsch hat den Universitätslehrgang JAGDWIRT/IN 2019 erfolgreich abgeschlossen. Seine Abschlussarbeit mit dem Titel „Beuteverwertung – Chancen und Möglichkeiten der Veredelung von jagdlichen Erzeugnissen“ widmete sich der nachhaltigen Nutzung und kreativen Verarbeitung von Wildprodukten.
Mit großer Leidenschaft entwickelt er vielfältige Produkte aus jagdlichen Erzeugnissen – von kulinarischen Spezialitäten bis hin zu handwerklichen Unikaten – und zeigt so, wie gelebte Jagdtradition und moderner Nachhaltigkeitsgedanke miteinander verbunden werden können.





