Mag. Gabi Fidler
Zwischen Wild und Wissenschaft

Mag. Gabi Fidler
Verantwortung mit Herz und Verstand
Gabi Fidler lebt in Werfen im Salzburger Land – dort, wo ihre jagdliche und berufliche Laufbahn tief verwurzelt ist. Schon von Kindesbeinen an war sie sowohl der Tiermedizin als auch der Jagd eng verbunden. Ihr Vater, Tierarzt und passionierter Jäger, prägte sie entscheidend – nicht nur durch sein Vorbild, sondern auch durch konkrete Erlebnisse. So erinnert sie sich an eine Kindheitsszene, in der sie sich heimlich im Kofferraum des Autos ihres Vaters versteckte, um mit zur Jagd genommen zu werden. „Die Begeisterung meines Vaters und des Berufsjägers war zwar nicht besonders groß – meine aber war riesig“, erzählt sie rückblickend mit einem Lächeln.
Tierärztliches Wissen und jagdliches Engagement
Nach dem Studium der Veterinärmedizin startete Gabi Fidler 1990 als praktische Tierärztin in der väterlichen Rinderpraxis. Sie arbeitete mehrere Jahre als Amtstierärztin und ist seit 2008 neben der tierärztlichen Praxis mit der Durchführung von Sektionen landwirtschaftlicher Tiere im Land Salzburg betraut. Als Jägerin engagiert sie sich sowohl in der jagdlichen Praxis als auch in der Ausbildung: Sie hält Vorträge in Jagdkursen, schult Jagdschutzorgane und „kundige Personen“ und ist aktiv in der Weiterbildung zu Wildkrankheiten.
Als erste Jägerin wurde sie 2020 in den Vorstand der Salzburger Jägerschaft berufen – ein Anruf, der sie überraschte und tief berührte.
„Ich konnte es kaum glauben und empfand es als große Ehre.“ Seither setzt sie sich unter anderem für die Sichtbarkeit und Vernetzung von Jägerinnen ein und organisiert regelmäßige Stammtische für den Austausch unter Frauen.
Jagethik und Wildtiergesundheit

Gabi Fidler mit HS-Hündin Arnika und BGS Jokl
Ihr jagdliches Handeln ist geprägt von großem Respekt vor dem Wild und einem tiefen Verantwortungsbewusstsein:
„Egal ob gesund, verletzt oder erlegt – Jagd muss weidgerecht und ethisch reflektiert erfolgen. Unnötiges Leid gilt es zu vermeiden.“
Als Tierärztin bringt sie zudem eine wichtige Perspektive in die jagdliche Diskussion ein: die Wildtiergesundheit. Aus ihrer Sicht wird dieses Thema oft unterschätzt – auch im Hinblick auf Zoonosen. Sie fordert ein systematisches Monitoring, mehr Biosicherheitsbewusstsein und regelmäßige Schulungen für Jäger*innen. „Krankheiten wie Tuberkulose oder Brucellose könnten durch frühes Erkennen besser eingedämmt werden.“
Leidenschaft für Gams und Auerwild
Fasziniert ist sie besonders vom Gamswild – „ein wahrer Überlebenskünstler“, wie sie sagt – sowie vom Auerwild mit seinem prachtvollen Federkleid und dem geheimnisvollen Balzverhalten. Über ihre Abschlussarbeit an der BOKU zur sogenannten „Gamsblindheit“ berichtet sie mit besonderem Nachdruck: „Entscheidend ist, Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und richtig zu reagieren – und dabei auch mit der Landwirtschaft gut zusammenzuarbeiten.“ Ihre Erkenntnisse flossen direkt in die Praxis ein.
Pirsch mit Gänsehautmoment
Ein besonders bewegender Moment war für sie die letzte Pirsch in einem langjährigen Gamsrevier: „Ich saß mit meiner Hündin Arnika in den Latschen, als ein Rudel Gams mit Kitzen direkt auf mich zukam. Ich war so berührt, dass ich völlig die Zeit vergaß.“ Solche Augenblicke, so sagt sie, nähren ihre tiefe Verbundenheit zur Jagd – nicht als „Sport“, sondern als achtsame Begegnung mit der Natur.
Haltung und Vision
Für Gabi Fidler ist die Jagd keine Frage des Geschlechts, sondern der Haltung.
Sie wünscht sich eine moderne, verantwortungsvolle Jagd, die Wildarten erhält, Wildkrankheiten ernst nimmt, Wildbrethygiene hochhält und sich auch der nicht jagenden Gesellschaft verständlich machen kann. Sie selbst will dazu beitragen – durch ihr Wissen, ihr Engagement und ihren gelebten Respekt gegenüber Tier und Mensch.
„Die Jagd, wie wir sie kennen, soll auch der nächsten Generation offenstehen. Dafür müssen wir heute Verantwortung übernehmen.“
Kontakt und weitere Informationen
🌐 Salzburger Jägerschaft
📸 Instagram: @salzburgerjaegerschaft
🌐 Tierarztpraxis Fidler


Foto: Jagd Österreich