Was möglich ist, wenn man größer denkt und dranbleibt .
Text: Akad. Jagdwirt Kalle Tadsen
Ein Ziel, das trägt – über Jahrzehnte hinweg

Foto: K. Tadsen
Es sind nicht immer große Worte, die große Wirkung entfalten. Manchmal reicht ein klares Ziel – und die Bereitschaft, über Jahre hinweg dranzubleiben. Seit vielen Jahrzehnten engagiere ich mich gemeinsam mit meinem ehrenamtlichen Team und rund 400 Mitgliedern für die Bewahrung und Entwicklung unserer nordfriesischen Naturlandschaften.
Über 4.500 Hektar für Wildnis, Vielfalt und Rückzugsräume
Heute betreuen wir über 4.500 Hektar Fläche – darunter Moore, Heidegebiete, Wälder, Vorländer im Wattenmeer und halboffene Weidelandschaften.
Etwa 200 Hektar sind in unserem Eigentum und werden gezielt aus der intensiven Nutzung herausgenommen. Dort entsteht Raum für das, was wir schützen wollen: Wildnis, Artenvielfalt und Rückzugsorte – für Tiere ebenso wie für Menschen.
Projekte mit Haltung – getragen vom Dialog
Unsere Arbeit reicht von Brutvogelkartierungen im Wattenmeer bis hin zur Entwicklung naturnaher Wildlebensräume.
Dabei ist uns eines besonders wichtig: der Dialog.
Wir arbeiten mit Jägerschaften, Gemeinden, Landwirten, Energieunternehmen – und mit allen, die bereit sind, mitzudenken. So entstehen nicht nur Projekte, sondern auch Verständnis füreinander.
Blühflächen statt Golfrasen – aus einer Idee wird Landespolitik

Foto: K. Tadsen
2004 entwickelte ich die Idee eines „Blühenden Schleswig-Holsteins durch erneuerbare Energie“. Gemeint war: Die Zuwegungen und Fundamente von Windkraftanlagen sollten nicht länger gemäht, sondern als Blühflächen und Magerrasen gestaltet werden. Heute ist diese Maßnahme Teil der Bauordnung Schleswig-Holsteins – und wurde vom Stromnetzbetreiber TENNET bundesweit übernommen.
Photovoltaik im Einklang mit Wildwegen
Ein aktueller Schwerpunkt ist die zunehmende Verbauung durch Freiflächen-Photovoltaik. Auch hier konnten wir konkrete Verbesserungen durchsetzen: Wanderkorridore für Schalenwild werden freigehalten, Zäune durch Biotopgräben ersetzt. Es sind kleine, aber entscheidende Schritte – für Artenvielfalt und ökologische Durchlässigkeit.
Vom Bunker zum Biotop – Schutz für das Große Mausohr
Ein Herzensprojekt ist die Umgestaltung einer ehemaligen Bunkeranlage zu einem Refugium für Fledermäuse. Heute bietet das Gelände auf zwei Hektar Rückzugsraum für seltene Arten – darunter die nördlichste bekannte Verbreitung des Großen Mausohrs in Deutschland.
Mitdenken in Netzwerken – Verantwortung auf allen Ebenen
Meine ehrenamtliche Arbeit im Nationalpark-Kuratorium Weltnaturerbe Wattenmeer, im Zentrum Multimar Wattforum, im Schalenwildausschuss des Landesjagdverbands Schleswig-Holsteinsowie im Wildwegeplan von Frank Zabel ist Ausdruck dessen, was mir wichtig ist:
Nicht in Besitzlogiken denken – sondern in Verantwortung und Zusammenhängen.
Wir gestalten Lebensräume, aber auch Haltungen
„Wir gestalten Lebensräume. Aber wir gestalten auch Haltungen.“
Dieser Satz begleitet mein Tun. Denn nur, wenn wir gemeinsam über das Eigene hinausdenken, kann aus Naturschutz ein kulturelles Selbstverständnis werden. Nicht gegeneinander – sondern miteinander.
Kalle Tadsen – Akad. Jagdwirt VI
Kalle Tadsen lebt in Nordfriesland und hat den Universitätslehrgang JAGDWIRT/IN VI an der BOKU Wien abgeschlossen. Als langjähriger Vorsitzender des Vereins für Naturschutz und Landschaftspflege im Mittleren Nordfriesland e.V. engagiert er sich mit rund 400 Mitgliedern für die Entwicklung naturnaher Lebensräume. Darüber hinaus wirkt er in zahlreichen Gremien mit – u. a. im Nationalpark-Kuratorium Weltnaturerbe Wattenmeer, im Multimar Wattforum, im Wildwegeplan Schleswig-Holstein und im Schalenwildausschuss des LJV SH.
Er war über 15 Jahre Sprecher der Jagdwirt-Fachgruppe und ist auch musikalisch aktiv als Gruppenleiter der Jagdhornbläsergruppe Nordergoesharde.
🌐 Getränke Tadsen
🌐 Naturschutzverein Mittleres Nordfriesland





