Jagdethik-Seminar von BOKU University und PTH Brixen – Im Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Klaus Hackländer.

Jagdethische Fragen begleiten die Jagd seit ihren Anfängen. Doch selten standen sie so stark im Fokus gesellschaftlicher Diskussionen wie heute. Fragen nach Tierwohl, Weidgerechtigkeit, Verantwortung und der Legitimation jagdlichen Handelns prägen zunehmend den öffentlichen Diskurs.

Für akademische Jagdwirtinnen und Jagdwirte reicht es deshalb nicht aus, nur die wildbiologischen und rechtlichen Grundlagen der Jagd zu kennen. Gefragt ist auch die Fähigkeit, ethische Fragestellungen zu reflektieren, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und die eigene Position begründet vertreten zu können.

Genau hier setzt das Jagdethik-Seminar der BOKU University und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen an. In einem interdisziplinären Austausch zwischen Jagdwissenschaft, Philosophie und Ethik werden aktuelle Herausforderungen diskutiert und neue Perspektiven auf die Verantwortung des Menschen gegenüber Wildtieren und Natur eröffnet.

Im Gespräch erklärt Univ.-Prof. Dr. Klaus Hackländer, warum dieses Thema für die Zukunft der Jagd von zentraler Bedeutung ist.

Was unterscheidet dieses Seminar von dem, was wir im Jagdwirt-Lehrgang bereits zu Jagdethik gelernt haben?

Während wir im Universitätslehrgang einen groben Überblick geben, welchen philosophisch-ethischen Hintergrund die Jagdethik hat und am Beispiel von praktischen Fragen jagdethische Aspekte diskutieren, tauchen wir in Brixen tiefer in die Philosophie ein und festigen den theoretischen Hintergrund. Wir stellen Konzepte zu Weidgerechtigkeit im Detail vor und lehren zu veterinärmedizinischen Aspekten zum Tierwohl. Eine Diskussion über jagdethische Herausforderungen in den Revieren der Teilnehmer runden das Programm ab.

Was nehmen Teilnehmende konkret mit nach Hause?

Entscheidend ist die Horizonterweiterung und das gemeinsame Lernen. Hier bauen wir auf die positiven Erfahrungen aus dem Universitätslehrgang auf.

Für wen ist dieses Format besonders wertvoll?

Das Seminar ist für jeden gedacht, der aktuell mit jagdethischen Fragen konfrontiert ist. Hier bekommen diese Absolvent:innen Ideen dafür, wie sie Lösungen finden können.

Warum eine theologisch-philosophische Hochschule als Partner? Was bringt dieser Blickwinkel in die Jagdethik ein, den wir aus der Wildbiologie allein nicht bekommen?

Der Blick über den Tellerrand ist ungemein wichtig, um zu verstehen, wie Ethik der Mensch-Tier-Beziehung entstand, wie die Wissenschaft über das Thema denkt, und welche Auswirkungen dies für die Jagdpraxis hat. Markus Moling ist im deutschsprachigen Raum aktuell führend im Thema Jagdethik und somit war die Wahl auf Brixen logisch.

Welche Rolle spielen Jagdethik, Weidgerechtigkeit und gesellschaftliche Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit der Jagd und warum ist es gerade jetzt wichtig, sich damit vertieft auseinanderzusetzen?

Die Jagd steht immer mehr im Fokus gesellschaftlicher Diskussionen, insbesondere weil das Töten immer mehr hinterfragt wird. Wenn die Jagd auch zukünftig eine breite Akzeptanz finden soll, muss sich die Jägerschaft mit diesen Fragen auseinandersetzen und vorbereitet in die Diskussion einsteigen.

Das Seminar findet bereits zum zweiten Mal statt. Wie entstand die Idee dazu?

Markus Moling und ich kamen schon vor vier Jahren auf die Idee, ein solches Format anzubieten, weil wir spürten, dass es dafür eine große Nachfrage bei den Jagdwirten und Jagdwirtinnen gab. Ein Ethikseminar in Brixen, bei dem auch Jagdwirt:innen teilnahmen, bestärkte diesen Eindruck und führte zum ersten Jagdethikseminar im letzten Jahr. Wir waren schnell ausgebucht und mussten einigen Interessent:innen absagen, um die didaktisch sinnvolle Gruppengröße von 20 Personen nicht zu überschreiten. In diesem Jahr wiederholen wir das Seminar und freuen uns über ein nach wie vor reges Interesse.

Jagdethik-Seminar 2026

Termin: 6.–8. August 2026
Ort: Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen
Leitung: Univ.-Prof. Dr. Klaus Hackländer & Prof. Dr. Markus Moling
Teilnehmende: Absolvent:innen des Universitätslehrgangs Akademischer Jagdwirt
Abschluss: Zertifikat der BOKU University und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen

Hier geht es zur Anmeldung für das Jagdethik-Seminar 2026

Foto: Jagdwirtin Monika Baudrexl