Im Dienste der Jagd: Das Herzstück der nachhaltigen Jagdpraxis, unsere Jagdhunde.

Text: Akad. Jagdwirt Nikolaus Fegert, Dip. Ing. (FH)

Raoul Ritter von Dombrowski widmete dem „Jagdhund im Dienste des Weidwerks“ in seinem Lehr- und Handbuch für Berufsjäger aus dem Jahr 1896 ganze 43 Seiten, während der Verwendung von „Waffen im Dienste des Weidwerks“ lediglich 29 Seiten gewidmet wurden. Betrachtet man die heutige Jagdliteratur, so hat man den Eindruck, dass sich die Tendenz in die entgegengesetzte Richtung bewegt.

Foto: Niki Fegert

Tatsächlich sinkt die Nachfrage nach Jagdhunden seit Jahren, und auch die Welpenzahlen der Jagdhunderassen nehmen laut der Statistik des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) kontinuierlich ab. Dies ist eine Tragik der Jagdgeschichte, denn Hunde spielten in dieser eine zentrale Rolle – als unverzichtbare Begleiter, oft sogar eine größere als die der Jagdwaffen selbst. Jagdhunde waren nicht nur Werkzeuge, sondern auch Freunde und Partner, die das Jagderlebnis bereicherten und die Erfolgschancen erheblich steigerten.

Mit der Zeit haben sich jedoch die Jagdgewohnheiten und -techniken verändert. Moderne Waffen, bessere Ausrüstung und technologische Innovationen haben die Rolle der Hunde in der Jagd zunehmend in den Hintergrund gedrängt.

Heute wird die Bedeutung der Hunde oft unterschätzt oder sogar vernachlässigt, und die enge Verbindung zwischen Jäger und Hund, die jahrhundertelang gepflegt wurde, droht verloren zu gehen.

Diese Veränderung ist eine Tragik, weil sie nicht nur das traditionelle Jagdhandwerk bedroht, sondern auch die kulturelle Vielfalt und das Verständnis für die Natur, das mit der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier verbunden ist. Es ist wichtig, die Bedeutung der Jagdhunde wieder wertzuschätzen und die jahrhundertealte Partnerschaft zwischen Jäger und Hund zu bewahren. Denn sie ist ein wertvoller Schatz unserer jagdlichen Traditionen, der es verdient, gepflegt zu werden.

Ist es nicht der Jagdhund der die Jagd mit Leben füllt?

Natürlich erfordert die Ausbildung viel Arbeit und Selbstverantwortung. Daher ist es auch verständlich, dass immer mehr Jäger auf einen Jagdhund verzichten, aus der Angst ihm nicht gerecht werden zu können. Doch wer sich für die Jagd entscheidet, sollte sich bewusst sein, dass sie keine Freizeitbeschäftigung ist, die man mal eben nebenbei erledigen kann. Sie erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, Zeit und Engagement.

Verantwortungsvolle Jäger wissen, dass nur eine sorgfältige und zeitintensive Ausbildung den Erfolg und die Nachhaltigkeit der Jagd gewährleistet.

Ein gut ausgebildeter Hund ist nicht nur ein zuverlässiger Begleiter bei der Jagd, sondern auch ein Botschafter für verantwortungsvolles Handeln

Doch nicht nur die weidgerechte Ausübung der Jagd ist auf aktive und engagierte Jagdhundeführer angewiesen, sondern auch die nachhaltige und leistungsorientierte Zucht.

Eine qualitativ hochwertige Jagdhundezucht ist essenziell, um sicherzustellen, dass die Hunde den hohen Anforderungen der modernen Jagdpraxis gerecht werden.

Foto: Niki Fegert

Um dies zu gewährleisten, sind aktive Hundeführer und Jäger unverzichtbar, denn sie liefern die entscheidenden Rückmeldungen über die Qualität der eingesetzten Hunde.

Um Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Vitalität zu fördern, ist eine kontinuierliche Bewertung und Rückmeldung durch die Hundeführer notwendig. Diese Rückmeldungen helfen Züchtern, die Leistungsfähigkeit ihrer Hunde zu beurteilen, Schwachstellen zu erkennen und die Zucht gezielt weiterzuentwickeln. Darüber hinaus tragen sie dazu bei, die Zucht auf realistische und praxisnahe Kriterien auszurichten. So wird sichergestellt, dass die Hunde nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Einsatz überzeugen.

Es ist nicht die anerkannte Ahnentafel, die, wie so oft behauptet wird, den Hund zu einem „besseren Hund“ macht, sondern der jahrhundertelange Austausch zwischen Züchter und Hundeführer. Jeder Hund ohne Papiere unterläuft diese Qualitätskontrolle. Die erfolgreiche und verantwortungsvolle Jagdhundezucht ist ohne die aktive Mitarbeit und Rückmeldung der Hundeführer und Jäger kaum denkbar. Denn nur durch eine enge Zusammenarbeit und den Austausch von Erfahrungen kann die Jagdhundezucht den hohen Ansprüchen der modernen Jagd gerecht werden und auch in Zukunft leistungsfähige, zuverlässige Begleiter hervorbringen.

Foto: Niki Fegert

Die Prüfung als Standortbestimmung

Einige dieser Rückmeldungen werden durch sogenannte Leistungszeichen aus dem praktischen Jagdbetrieb übermittelt. Die meisten stammen jedoch aus den Leistungsprüfungen selbst. Diese Jagdhundeprüfungen sollten stets im Sinne der praktischen Arbeit im Revier verstanden werden. Sie sind eine wichtige Standortbestimmung, um die Fähigkeiten eines Hundes realistisch einzuschätzen und ihn optimal auf die jagdlichen Herausforderungen vorzubereiten. Dabei darf der sportliche Aspekt niemals in den Vordergrund rücken, um die eigentliche Aufgabe – den zuverlässigen und verantwortungsvollen Einsatz im Revier – nicht zu gefährden. Nur so tragen die Jagdhundeprüfungen dazu bei, die Qualität und Einsatzfähigkeit unserer Jagdhunde dauerhaft zu sichern.

Dennoch sollten die Punkte und Preise der Jagdhundeprüfungen nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn es sollte stets unser Anspruch sein, das Beste für unser Wild zu leisten. Punkte müssen verdient werden und sind ein Beweis für ein intaktes Hund-Führer-Gespann, das durch Erfahrung und Ausbildung die Fähigkeit besitzt, sich an unvorhersehbare Situationen anzupassen.

Gesundheit und Vitalität im Fokus

Doch auch die Gesundheit und Vitalität unserer Jagdhunde sollte stets ein wichtiges Ziel sein. Letztlich trägt die Fokussierung auf Gesundheit und Vitalität dazu bei, die Qualität der Hunde zu sichern, die Freude an der Arbeit im Revier zu erhöhen und die Verantwortung gegenüber den Tieren sowie der jagdlichen Tradition ernst zu nehmen. Eine gesunde Basis ist die Grundlage für erfolgreiche und verantwortungsvolle jagdliche Begleiter.

Doch mindestens ebenso wichtig wie unsere Hunde ist der Nachwuchs im Hundewesen.

Durch eine systematische Unterstützung und Ausbildung können wir nicht nur die Qualität der Hunde sichern, sondern auch die Weitergabe von Fachwissen, bewährten Praktiken und zukunftsfähigen Ausbildungssystemen gewährleisten.

Daher ist es unerlässlich, in die Ausbildung und Entwicklung des Nachwuchses zu investieren, um die Tradition der Jagdhundearbeit zu bewahren und gleichzeitig innovative Ansätze in der Zucht und Ausbildung zu fördern.

Um die Zukunft unseres Hundewesens nachhaltig zu sichern, sollten wir außerdem den Austausch zwischen erfahrenen Züchtern, Ausbildern und Nachwuchstalenten fördern. So können wir gemeinsam neue Impulse setzen und die Qualität unserer Hunde und deren Ausbildung kontinuierlich verbessern.

Niki Fegert- Akad. Jagdwirt XV

Nikolaus Alexander Fegert ist Akademischer Jagdwirt (BOKU) und Diplom-Ingenieur (FH) für Kartografie und Geomedientechnik aus Oberbayern. Er hat den Lehrgang JAGDWIRT/IN an der Universität für Bodenkultur Wien mit Auszeichnung abgeschlossen. Titel seiner Abschlussarbeit: „Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Vollgebrauchshundes am Beispiel Deutsch-Langhaar.“

Als Fotograf, Autor und zertifizierter Jagdhundeausbilder verbindet er jagdliches Wissen mit künstlerischer Bildsprache. Seine Arbeiten zeigen die Natur und die Jagd ohne Trophäenkult und legen den Fokus auf die waidgerechte Beziehung zwischen Jäger, Hund und Wild.

2020 veröffentlichte er den Bildband „Waidwerk – Bilder vom Jagen“, der Jagdszenen in alpinen Landschaften eindrucksvoll dokumentiert.