Privileg in unserer Zeit.

Text: Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Präsident Jagd Österreich und Landesjägermeister der Steiermark

Die Jagd steht an der Wiege der Menschheit und ist die wohl intensivste Auseinandersetzung mit der Natur, die in unserer Kulturlandschaft möglich ist. Wir steigen aus unserem Alltag aus und gehen hinaus, um wenigstens für kurze Zeit wieder Teil dieser Natur zu sein. Das ist in uns allen angelegt, wer jagt, hat auch das Privileg, das in uns Menschen Angelegte zu leben.

Wenn es um die Jagd geht, geht es um Wildtiere, um Landschaft und um jagende Menschen…

Wenn es um die Jagd geht, geht es um Wildtiere

Wildtiere sind der wilde Schatz in unserer Kulturlandschaft.

Auf diese Kulturlandschaft treffen multifunktionelle Ansprüche, aufgrund der vielen bereits definierten Funktionen müssen wir auch unseren Umgang mit dem Wildtier neu definieren – die derzeitige Praxis „Schießen oder Schützen ist hier eindeutig zu wenig, um einen zeitgemäßen Umgang mit Wildtieren sicherzustellen.

Hier braucht es ein neues gemeinsames Leitbild: Eindimensionale Ansätze reichen hier nicht, freilebende Wildtiere sind als Wert zu definieren, den es zu erhalten gilt.

Ein von manchen gefordertes Wildtiermanagement, das sich nach dem Grundsatz, Huftiere möglichst aus den Wäldern zu eliminieren, ist hier zu wenig.

Neben der Bewirtschaftung unserer Wälder und deren Umbau müssen wir auch das Ziel möglichst klimaresilienter Wildbestände mitdenken und aktiv einbringen, landschaftsgestaltende Bewirtschaftung muss so stattfinden, dass in dieser Landschaft noch Raum für Wildtiere und deren artgerechtes Leben verbleibt, sonst werden sich die Generationen nach uns über unser Handeln zu Recht an den Kopf greifen – und das zu Recht.

Zeitgemäßes Wildtiermanagement zeichnet sich durch Kompetenz im Umgang mit Wildtieren und Nachhaltigkeit aus, den Regeln einer guten fachlichen Praxis entsprechend.

Für die Praxis sind valide Daten hier die Grundlage, um überhaupt von einem kompetenten Wildtiermanagement sprechen zu können.

Das Sammeln und Dokumentieren von verlässlichen Daten über Wildtiere und Lebensraum muss künftig neben dem Erlegen von Wildtieren zum selbstverständlichen Handwerk jedes Jägers und jeder Jägerin gehören – hier sind wir alle gemeinsam gefordert, das auf die Fläche zu bringen.

Auch die Interpretation der so gewonnenen Daten dürfen wir nicht aus der Hand geben – die Zusammenarbeit mit der Wildbiologie, mit der Wissenschaft ist hier essentiell, um Grundlagen zu schaffen, auf denen wir ein funktionierendes Wildtiermanagement aufbauen können.

Wenn es um die Jagd geht, geht es immer auch um Leidenschaft

Unsere Kulturlandschaft ist unbestritten vom Menschen überprägt. Um gesunde Wildtierbestände zu erhalten, braucht es die Erhaltung bzw. die Gestaltung von hochwertigen Ganzjahreslebensräume mit ausreichender Vernetzung zur Sicherstellung eines genetischen Austausches. Verinselte Bestände in voneinander dauerhaft abgetrennten Restlebensräumen sind kein Modell für die Zukunft.

Die gemeinsame Aufgabe aller Lebensraumgestalter ist die Sicherstellung einer ausreichenden Vernetzung, die einen genetischen Austausch ermöglicht. Für Windkraftanlagen sind wichtige Korridore für Raufußhühner zu berücksichtigen, rotwildfreie Zonen, die großräumigen Austausch unterbinden, sind ebenso wenig zeitgemäß wie Freihaltezonen für Gamswild, ohne die einzelnen Teilpopulationen und deren Vernetzung im Blick zu haben.

All diese Ziele setzen für Wildtiere nutzbare Lebensräume voraus und sind mit einer Überfrachtung der Landschaft mit „Jeder macht alles und überall – und das 24 Stunden am Tag“ – nicht vereinbar.

In der Mariazeller Erklärung, die ich selbst mitunterzeichnet habe, steht das gemeinsame Ziel, weitere Verschlechterungen der Wildlebensräume und weitere Beeinträchtigungen des Wildes und seiner Lebensweise durch Dritte hintanzuhalten – im deutschsprachigen Raum ist die Schweiz hier Vorreiter. Wirksame Maßnahmen sind auch in Österreich notwendig, um Lebensräume für Wildtiere zugänglich zu machen und ihre Rückzugsräume im Winter zu schützen. Besucherlenkung wird hier auch mit den notwendigen Konsequenzen einhergehen müssen, um Wildtieren eine spürbare Erleichterung zu verschaffen.

Ein klarer Schulterschluss aller Unterzeichner der Mariazeller Erklärung ist hier notwendig, um die Politik mit dem notwendigen Rückenwind zu unterstützen, wenn es um richtungsweisende Entscheidungen geht.

Wenn es um Jagd geht, geht es immer auch um jagende Menschen

Im Gegensatz zu den vielen Naturbesuchern haben Jägerinnen und Jäger direkte Wildtiererlebnisse in der freien Natur – das schafft emotionale Beziehung, Wertschätzung und Respekt vor Wildtieren. Damit einhergehend engagieren sich Jägerinnen und Jäger für Wildtiere. Der Wunsch, Wildtiere auch in Zukunft erleben zu können, ist die gemeinsame Motivation. Dieser Wunsch ist legitim und richtig und er spiegelt sich als gesetzlicher Auftrag der Jagd auch in allen Jagdgesetzen des deutschsprachigen Raumes wider:

Die Erhaltung von gesunden und gut vernetzten Wildbeständen in ihrer Vielfalt steht als klares Ziel und damit Auftrag an der Spitze dieser Jagdgesetze.

Dafür braucht es gut ausgebildete Jägerinnen und Jäger, die auf dem aktuellen Stand des Wissens als Anwalt der Wildtiere auch glaubwürdig auftreten können.

Die Forderung, Wildstände an immer kleinere Lebensräume anzupassen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, mit welchen Auswirkungen das verbunden ist, reicht nicht. Hier braucht es neue Ideen und Lösungen, die den komplexen Zusammenhängen auf dem aktuellen Stand des Wissens gerecht werden.

Ein grenzüberschreitender Austausch zwischen den Ländern des deutschsprachigen Raums wäre hier nicht nur wünschenswert, sondern anzustreben.

Die Jagd ist in den Ländern Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert, von einer engeren Zusammenarbeit würde die Jagd aus meiner Sicht profitieren.

Es wäre großartig, wenn hier auch über die Jagdwirtinnen und Jagdwirte, die sich über den gesamten deutschsprachigen Raum verteilen, ein Brückenschlag gelingen würde.

Franz Mayr-Melnhof-Saurau – Präsident Jagd Österreich und Landesjägermeister der Steiermark

Franz Mayr-Melnhof-Saurau ist Landesjägermeister der Steiermark und seit 1. Jänner 2025 Präsident von Jagd Österreich. Unter seiner Führung setzt sich der Dachverband der österreichischen Jagdverbände für eine moderne Jagdausbildung, den Aufbau einer umfassenden Wildtierdatenbank sowie für eine verantwortungsbewusste, wildökologische Raumplanung ein.

Als Mitglied der traditionsreichen Unternehmerfamilie leitet er zudem den größten privaten Forstbetrieb Österreichs – den Forstbetrieb Franz Mayr-Melnhof-Saurau mit rund 32.400 Hektar Wald in der Steiermark. Der Betrieb verknüpft nachhaltige Forstwirtschaft mit Waldpädagogik sowie natur- und wildtiergerechter Bewirtschaftung.

Er war zudem zentraler Impulsgeber für das Leuchtturmprojekt „Naturwelten Steiermark“ in Mixnitz, das als Bildungszentrum, Dialogstätte und Naturerlebnisstätte dient. Die Einrichtung – entstanden mit Fördermitteln und unter seiner Mitwirkung – vermittelt Wissen über Natur, Jagd und Lebensräume auf innovative Weise.

Ein weiteres bedeutendes Engagement ist die Gründung der Österreichischen Wildtierstiftung (ÖWTS), initiiert durch Jagd Österreich. Die Stiftung hat sich das Ziel gesetzt, Österreich zur „Marke“ für eine verantwortungsvolle Beziehung zu Wildtieren und ihren Lebensräumen zu machen. Sie fördert Forschungsprojekte, Bildungsinitiativen und Öffentlichkeitsarbeit, die das Verständnis für Wildtiere in einer vom Menschen geprägten Kulturlandschaft vertiefen sollen.

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