Die Jagd als Mittler – Die internationale Rolle des CIC .
Text: Dr. Philipp Harmer LL.M., Präsident des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC)
Jagd als Brücke zwischen Kulturen
Wenn ich über die Jagd spreche, dann spreche ich nicht allein über Wildstandsregulierung, Freizeitbeschäftigung oder Tradition. Ich spreche über ein Werkzeug der Diplomatie, ein Mittel des Naturschutzes und über eine Verbindung zwischen Kulturen.
Der CIC: Ein globales Netzwerk für nachhaltige Nutzung
Der Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) wurde 1930 gegründet, in einer Zeit politischer Umbrüche, mit dem Ziel, internationale Zusammenarbeit im Sinne der nachhaltigen Nutzung wildlebender Tierarten zu fördern.
Heute vereint der CIC 29 Staaten, über 90 Organisationen und nahezu 2.000 Einzelpersonen aus 86 Ländern.
Von Brüssel bis Botswana, von der Ramsar-Konvention bis zur Großtrappenforschung in Osteuropa: Der CIC ist ein lebendiges Netzwerk aus Jägerinnen und Jägern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie naturinteressierten Menschen.
Verantwortung und Dialog statt Polarisierung
Ich bin überzeugt, dass wir heute mehr denn je Vermittler brauchen – nicht nur zwischen Mensch und Wildtier, sondern auch zwischen Weltanschauungen. Jagd polarisiert. Umso wichtiger ist es, dass wir jene Stimmen stärken, die mit Sachlichkeit, Demut und Verlässlichkeit sprechen.
Unsere Aufgabe ist es, den Wert der nachhaltigen Nutzung zu erklären. Zu zeigen, dass verantwortungsvolle Jagd zur Erhaltung von Arten und Lebensräumen beiträgt und dass sie Gemeinschaften weltweit unterstützt.
Praxisbeispiel Namibia: Jagd als Lebensgrundlage
Ein Beispiel: In Namibia, wo der CIC mit verschiedenen Partnern zusammenarbeitet, führen lokale Gemeinschaften nachhaltige Jagdprogramme durch, die direkt zur Finanzierung von Wildhütergehältern, Schulbildung und medizinischer Versorgung beitragen.
In vielen Regionen Afrikas wird mehr Land durch Jagdkonzessionen geschützt als durch Nationalparks.
Diese Erfolge basieren nicht auf Theorie, sondern auf gelebter Praxis – oft dort, wo andere Formen des Naturschutzes wirtschaftlich oder ökologisch nicht tragfähig sind.
Strategie 2030: Wissenschaft, Ethik und Kommunikation verbinden
Unsere Strategie 2030 orientiert sich am Global Biodiversity Framework der UN. Sie verbindet angewandte Wissenschaft mit Politikgestaltung, kulturellem Erbe und globaler Kommunikation. Denn Jagd ist mehr als ein Werkzeug. Sie ist eine Praxis, die Verantwortung erfordert und die, wenn sie gut gemacht ist, Verbindungen schafft – zwischen Generationen, Regionen, Interessen.
Die Rolle des CIC-Präsidenten: Brückenbauer in der Praxis
Als Präsident des CIC sehe ich mich in der Verantwortung, diese Brücken zu bauen – zwischen traditionellen Jagdpraktiken und modernen Anforderungen an Ethik, Ökologie und Öffentlichkeit.
Wir müssen uns öffnen, ohne uns zu verbiegen. Und wir müssen den Dialog mit der Gesellschaft führen, nicht gegen sie.
Gemeinsame Verantwortung
Ich freue mich, dass die BOKU-Alumni-Plattform diesen Austausch fördert.
Als Jagdwirt*innen sind Sie Teil eines Systems, das heute wichtiger ist denn je. Lassen Sie uns gemeinsam zeigen, dass wir nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sind.
Waidmannsheil
Dr. Philipp Harmer LL.M.
Präsident der CIC
Dr. Philipp Harmer LL.M. – Präsident CIC
Dr. Philipp Harmer aus Österreich ist Präsident des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC). Er war zuvor Vizepräsident und zwischen 2011 und 2017 Leiter der österreichischen CIC-Delegation.
Als promovierter Jurist mit Masterabschluss im Wirtschaftsrecht (LL.M.) engagiert er sich seit vielen Jahren für eine verantwortungsvolle, nachhaltige und ethisch fundierte Jagd im internationalen Kontext. Er setzt sich für einen offenen Dialog zwischen Kulturen, Nationen und Interessensgruppen ein und sieht in der Jagd eine wichtige Brückenfunktion – zwischen Mensch und Natur ebenso wie zwischen Tradition und moderner Wildtierbewirtschaftung.
Als Präsident des CIC vertritt Dr. Harmer den weltweit tätigen Dachverband mit Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen. Sein erklärtes Ziel ist es, die Rolle der Jagd im globalen Naturschutz sichtbarer zu machen, wissenschaftlich zu untermauern und als integralen Bestandteil funktionierender Ökosysteme und ländlicher Entwicklung zu positionieren.
Kontakt und weitere Informationen
🌐 CIC
📸 Instagram: @cicwildlife
🔗 LinkedIn: @cicwildlife






Foto: Jagd Österreich