Kitzrettung in Südtirol – unbezahlbares Ehrenamt.

Text: Benedikt Terzer, Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes

Dass Jagd viel mehr ist, als nur Wild zu erlegen, beweisen Südtirols Jäger in vielfältiger Manier. Die Kitzrettung ist jährlich eine besondere Herkulesaufgabe, die auf den Schultern von Jägerschaft, Freiwilligen und Landwirten lastet.

In Südtirol haben Landwirte und Jägerschaft dem Mähtod schon lange den Kampf angesagt. Im Jahr 2025 führten 105 Südtiroler Jagdreviere Kitzrettungsaktionen durch.

In enger Zusammenarbeit mit den Landwirten konnten in 12.816 ehrenamtlichen Stunden über 2.318 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet werden.

Rund 1.000 Ehrenamtliche waren dabei im Einsatz. Für diese beeindruckenden Zahlen gebührt Landwirten, Jägern und freiwilligen Helfern ein großes Lob!

Starkes Ehrenamt für die Kitzrettung

Die Kitzrettung wird in Südtirol ausschließlich durch den ehrenamtlichen Einsatz vieler Freiwilliger ermöglicht. Hintergrund dafür ist das soziale Revierjagdsystem, das in Südtirol vorherrscht. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass jeder in Südtirol ansässige Bürger das Recht hat, in seiner Heimatgemeinde die Jagd auszuüben.

Die Bindung des Jägers an seinen Wohnort fördert das Engagement für das Wild besonders.

Gleichzeitig kennen sich Jäger und Landwirte, was die Zusammenarbeit deutlich erleichtert.

Zwischen alt bewährt und Hightech: Methoden der Kitzrettung

Über viele Jahre hinweg wurden in Südtirol traditionelle Methoden zur Kitzrettung angewandt. Am Tag vor der Mahd werden zum Beispiel Maßnahmen zur Vergrämung der Rehgais und ihrer Kitze gesetzt.

Am Tag der Mahd selbst geht es darum, Kitze aktiv aus den Wiesen zu retten. Auch eine wildtierfreundliche Mähmethode kann unnötiges Tierleid vermeiden. Generell sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Vom Aufstellen von blinkenden Scheuchen, zum Abgehen der Wiese mit dem angeleinten Hund, bis zum klassischen Absuchen der Mähwiesen vor der effektiven Mahd, ist die Palette an Möglichkeiten groß. Nach wie vor setzen viele Jagdreviere auf altbewährte Methoden, wenngleich technische Hilfsmittel, wie die Drohne mit Wärmebildkamera, immer mehr zum Einsatz kommen. Und das zu Recht, denn die Kitzrettung mit Drohne ist eine ungemeine Erleichterung dieser sehr arbeitsintensiven Aufgabe. Im Sommer 2025 waren in Südtirol rund 60 Drohnen bei der Kitzrettung im Einsatz.

Hightech macht die Kitzrettung effizient (Foto: SJV)

Stiftung Sparkasse fördert den Ankauf von Drohnen mit Wärmebildkameras

Wenngleich die Verwendung von Drohnen die Arbeit wesentlich erleichtert, so gibt es jedoch auch hier einen Haken. Die Technik ist sehr teuer und in Südtirol gibt es bis dato keine Förderung von Seiten der öffentlichen Hand.

Daher hat sich der Südtiroler Jagdverband eingesetzt, um eine Förderung gemeinsam mit der Stiftung Südtiroler Sparkasse zu realisieren, die heuer erstmals umgesetzt wurde.

Drohnen im Einsatz für den Tierschutz (Foto: SJV)

In dieser ersten Förderperiode 2025 wurde der Ankauf von 33 Drohnen gefördert. Im Jahr 2026 werden in Südtirols Jagdrevieren damit rund 90 Drohnen in der Kitzrettung zum Einsatz kommen.

Netzwerk Kitzrettung – gemeinsam gegen den Mähtod

Eine weitere, erfreuliche Neuerung in diesem Jahr ist die Gründung des „Netzwerk Kitzrettung – gemeinsam gegen den Mähtod“.

Das Netzwerk Kitzrettung wurde ins Leben gerufen, um den Einsatz und die Leistung der vielen Freiwilligen im Bereich der Kitzrettung sichtbar zu machen und um das gemeinsame Engagement zu stärken. Das Netzwerk setzt sich aus vielen verschiedenen Akteuren der Bereiche Landwirtschaft, Jagd, Natur- und Tierschutz zusammen. Sie alle unterstützen die Kitzrettung ideell und wertschätzen die ehrenamtliche Arbeit der vielen Freiwilligen.

Der Schulterschluss zwischen Jägerschaft, Landwirtschaft, Natur- und Tierschutz sowie dem Land Südtirol ist ein starkes Signal und Vorbild für eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit.

Das Land Südtirol hat offiziell die Schirmpatenschaft für das Netzwerk Kitzrettung übernommen. Und wer weiß, vielleicht ist dies der erste Schritt hin zu einer öffentlichen Förderung der Kitzrettung.

Die Kitzrettung in Südtirol ist ein Erfolgsmodell, das man nicht mehr missen möchte. Der Jägerschaft, den Jagdaufsehern und allen weiteren Freiwilligen gebührt ein großer Dank. Sie scheuen weder Mühen noch Aufwand, um tausendfaches Tierleid zu vermeiden. So sieht gelebter Tierschutz aus!

Benedikt Terzer – Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes

Benedikt Terzer ist seit 2019 Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes. Zuvor war der Jurist als Direktionsassistent tätig und veröffentlichte mehrere Fachbeiträge im Bereich Autonomie- und Jagdrecht.

Er ist Mitglied im Beirat der Alpenländischen Jagdrechtstagung, engagiert sich im Netzwerk “Kitzrettung – gemeinsam gegen den Mähtod” und verfasste das Buch “Die Gesetzgebungskompetenz der Autonomen Provinz Bozen im Sachbereich Jagd”. Seine Arbeit ist geprägt von Verantwortung, Sachlichkeit und dem Bemühen um Dialog.

Kontakt und weitere Informationen

🌐 Südtiroler Jagdverband
📸 Instagram: @suedtirolerjagdverband
🌐 Netzwerk Kitzrettung
🎙️ BBC Podcast Kitzrettung