Rückblick
Erinnerungen teilen. Netzwerke stärken. Gemeinsam gestalten.
Text: Akad. Jagdwirtin Doris Pollner (Jahrgang XV)
Ein stimmungsvoller Auftakt im Landhotel Gressenbauer
Zum diesjährigen Alumni-Treffen lud Vroni Fessl (Akad. Jagdwirtin Jahrgang III) nach Hinterstoder in Oberösterreich ein. Bekannt als einziger Ski-Weltcup-Ort in Oberösterreich erwartete die 19 Teilnehmer:innen nicht nur das beeindruckende Bergpanorama des „Toten Gebirges“, sondern auch ein perfekt organisiertes, sehr interessantes und buntes Programm. Sogar das Wetter passte stets zum jeweiligen Programmpunkt. Los ging es am Donnerstagabend ab 18 Uhr mit einer lockeren Zusammenkunft zum ersten Kennenlernen oder freudigem Wiedersehen im Landhotel Gressenbauer mit anschließendem Abendessen.
Besuch im Schloss Hohenbrunn und Austausch zur Zukunft der Jagd
Am nächsten Tag ging es in Fahrgemeinschaften zum Sitz des Landesjagdverbandes Oberösterreich im Schloss Hohenbrunn in der Gemeinde St. Florian. Das Jagdschloss des Stiftes St. Florian wurde im 18. Jhd. erbaut, verfiel später, wurde Mitte des 20. Jhd. renoviert und im Jahr 2000 von der oberösterreichischen Jägerschaft erworben und generalsaniert.
Nach der Begrüßung durch den Geschäftsführer des LJV OÖ Mag. Christopher Böck im Innenhof des Schlosses, lud er die Jagdwirte ein, das modernisierte Jagdmuseum zu besuchen. Auf 450 qm Ausstellungsfläche konnten u.a. Wildtierpräparate, historische Jagdsammlungen wie Gemälde, jagdkynologische Utensilien, Jagd- und Wildererwaffen, die größte europäische Jagdporzellansammlung, der Gewehrschrank von Kronprinz Rudolph und ausgewählte Trophäen von Kaiser Franz Joseph besichtigt werden.
Im großen Sitzungssaal wurde dann gemeinsam und angeregt mit Magister Böck über das Thema „Zukunft der Jagd“ diskutiert. Der Gedankenaustausch war intensiv und geprägt von der Diskussion die gesellschaftliche Akzeptanz durch frühe und moderne Öffentlichkeitsarbeit zu fördern und die jagdlichen Werte und Aufgaben in transparenter und authentischer Weise zu kommunizieren. Ebenso sind Kompetenz, hohes Verantwortungsbewusstsein, ethisch vertretbare Jagdausübung, Flexibilität, Veränderungs- und konstruktive Dialogbereitschaft wichtige Voraussetzungen um die jagdlichen Aufgaben und Herausforderungen erfüllen zu können und um unsere Natur mit Wild und Wald auch zukünftig schützen zu können.
Kultur trifft Natur: Orgelklänge und Wildbeobachtung

Gastgeberin Vroni Fessl
Nach einer Stärkung im Stiftskeller St. Florian wartete ein kultureller Höhepunkt auf die Jagdwirte. Bei einem Orgelkonzert in der Stiftsbasilika konnte jeder die beindruckenden Klänge der großen Bruckner-Orgel genießen. Hier im Stift St. Florian wuchs Anton Bruckner auf und war im 19. Jhd. lange Jahre als Lehrer und Stiftsorganist tätig. Eine Bodenplatte direkt unter der Orgel erinnert an sein Grab.
Danach ging es zurück nach Hinterstoder auf das wunderschöne Dietlgut, wo Vroni die Gruppe zu einem Aperitif einlud und beim Bergblick ins angrenzende Revier sogar Rot- und Gamswild zum Anblick kam. Für unsere Hundehalter blieb sogar noch ein wenig Zeit eine besondere Gassirunde zu drehen und zum malerischen Schiederweiher zu wandern, welcher 2018 zum „Schönsten See Österreichs“ gekürt worden war.
Beim Abendessen im Hotel wartete die nächste Überraschung auf die Jagdwirte. Die Maultrommelmusikgruppe Schwarz spielte zünftig auf und erklärte auch gerne wie man einer Maultrommel diese Klänge entlockt. Ganz in der Nähe betreibt die Familie Schwarz bereits in der 13. Generation das Handwerk zur Herstellung von Maultrommeln mit viel Hingabe und Präzision, was auch bestens zu hören war.
Nationalpark Kalkalpen: Exkursion mit Tiefgang
Auch am nächsten Tag warteten wieder sehr interessante Programmpunkte auf die Gruppe. Es ging nach Windischgarsten zur Exkursion in den Nationalpark Kalkalpen. Dort begrüßte uns Nationalpark Direktor DI Josef Forstinger mit Förster Michael Buchebner und führte uns persönlich durch Teile des NP. Auf einer Fläche von rund 209 km² schützt der Nationalpark Kalkalpen die letzte große Waldwildnis Österreichs. Er verfügt über eine hohe Artenvielfalt und Anzahl an Urwaldarten, u.a. sind die uralten Buchenwälder im NP seit 2017 UNESCO Weltnaturerbe. Hier steht mit 550 Jahren auch die älteste Buche im Alpenraum. Roman Paumann stellte uns detailliert das Jagdkonzept im NP mit Ruhe- und Schwerpunktzonen vor. Leider rutschte ein Teilnehmer unglücklich aus und brach sich mitten im Wald den Fuß. Hier war sehr beeindruckend wie schnell, effizient und mit welcher Mannstärke die Bergrettung im Einsatz war und schnelle Hilfe in die Tat umsetzte.
Jagdliche Praxis auf dem Klinsergut
Danach ging es weiter zum Klinsergut der Herzog von Württembergischen Forstverwaltung Hinterstoder. DI Klaus Schachenhofer, ehemaliger Generalsekretär des österreichischen Dachverbandes „Jagd Österreich“ und jetzt dort Betriebsleiter des 7500 ha großen Berg- und Hochwildreviers gab uns interessante Einblicke in deren jagdlichen Strategien und Aktivitäten bis hin zur Wildbretverwertung. Sehr interessant war die umfangreiche Abwurfstangensammlung und die Erklärungen z.B. welche Schlüsse man auf die Gesundheit des Rotwildbestandes daraus ableiten kann oder an welchen Erkennungsmerkmalen die Abwurfstangen dem jeweiligen Hirsch über Jahre genau zuordenbar sind. Eine kurze Wanderung führte uns danach in die Polsterlucken, wo wir im gemütlichen Polsterstüberl kulinarische Schmankerl genießen und den Abend bei vielen Gesprächen ausklingen lassen konnten.
Spiritueller Ausklang in der Dietlkapelle
Am Sonntagmorgen ging es wieder auf das Dietlgut. Vroni hat dort aufwändig und mit viel Liebe und Engagement die Dietlkapelle modern aber den historischen Charakter bewahrend restauriert. LJV-Pfarrer Franz Salcher gestaltete unter Einbeziehung der Anwesenden sehr würdevoll den Wortgottesdienst in der mit morgendlichem Sonnenlicht wunderschön durchfluteten Kapelle. Die Kremstaler Parforcehorn-Bläsergruppe Molln umrahmten die Andacht musikalisch und ebenfalls sehr stimmungsvoll.
Die anschließende Agape, zu der Vroni wieder ins Jagdhaus Dietlgut einlud, war bei optimalem Sommerwetter ein sehr schöner Abschluss unseres viertägigen Jagdwirte-Treffens.
Danke, Vroni!

Vroni Fessl mit ihrem Werk „Platschi“, das sie selber geschrieben und illustriert hat.
Ein herzlicher Dank gilt Vroni Fessl für die tolle Organisation des Treffens. Viele schöne Momente und interessante und lehrreiche Eindrücke werden uns – gemeinsam mit ihrem selbst illustrierten und textlich gestalteten Kinderbuch „Platschi – oder die Reise eines Regentropfens“ in Erinnerung bleiben. Der Austausch und die Gemeinschaft unter den Jagdwirten konnte bestens gepflegt werden und die Vorfreude auf ein Wiedersehen spätestens beim nächsten Alumni-Jagdwirte Treffen 2026 in der Lüneburger Heide bei Michael Tandler (Akad. Jagdwirt IV) hat bereits begonnen.

































